Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) ist eine psychische Störung, die sich auszeichnet durch einen Mangel an Empathie, einem übermäßigen Bedürfnis nach Bewunderung und einem grandiosen Gefühl der eigenen Wichtigkeit. Diese Eigenschaften können sich nicht nur im Berufs- und Sozialleben eines Menschen zeigen, sondern natürlich auch in ihren Beziehungen zu ihren Kindern. Wenn es um das Thema Elternschaft und NPS geht, stellen sich viele die Frage: Können Eltern mit einer Diagnose NPS gute Eltern sein?
Was ist die Narzisstische Persönlichkeitsstörung und wie beeinflusst sie die Elternrolle?
NPS ist eine klinische Diagnose, die auf dysfunktionalem Selbstwert beruht. Für Eltern mit NPS können die damit einhergehenden Eigenschaften eine besondere Herausforderung darstellen. Da Personen mit NPS häufig nicht fähig oder willen sind die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen und sich mit ihnen zu identifizieren, ist wahrscheinlicher, dass das emotionale Wohl ihrer Kinder nicht im Vordergrund steht.
Es wäre jedoch falsch, alle Eltern mit NPS in eine Schublade zu stecken. Nicht jeder Mensch mit narzisstischen Tendenzen zeigt diese in jeder Lebenslage. Wichtig ist, dass Narzissmus, wie jede andere psychologische Eigenschaft, in einem Spektrum existiert und sich unterschiedlich stark äußern kann und, dass darüber hinaus jeder Mensch einzigartig ist. So sehr wir Menschen es auch bevorzugen in Kategorien zu denken, so wenig lassen sich menschliche Verhaltensweisen jedoch nur aufgrund einer Diagnose vorher sagen.
Die Frage, ob narzisstische Eltern gute Eltern sein können, ist also komplex. Einerseits gibt es deutliche Herausforderungen, die NPS im Elternsein mit sich bringen kann. Andererseits können Eltern mit narzisstischen Zügen in Bereichen wie materieller Versorgung oder Engagement für Bildung sehr leistungsfähig sein. Hier kommt es also umso mehr darauf an den Menschen zu sehen und nicht nur die Diagnose.
Erkennen von schädlichen Erziehungsmustern
Eine narzisstische Persönlichkeit kann Schwierigkeiten haben, die emotionalen Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen und darauf einzugehen. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist typisch, dass narzisstische Persönlichkeiten kein authentisches Interesse an anderen Personen aufweisen, sondern sie ausnutzen, um eigene Ziele zu erreichen. Daher können die Kinder leicht zu einer Verlängerung des eigenen Egos des narzisstischen Elternteils werden. Eltern mit NPS erwarten dann, dass ihre Kinder hohe Standards erfüllen, die eher ihren eigenen Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen, als den individuellen Bedürfnissen des Kindes.
Diese Eigenschaften können sich auf den ersten Blick sogar positiv äußern, wenn narzisstische Eltern sich leidenschaftlich für den schulischen oder sportlichen Erfolg ihrer Kinder einsetzen. Der Antrieb hinter diesem Engagement kann jedoch problematisch werden, wenn Liebe und Unterstützung eines Elternteils von Leistung und Anpassung des Kindes abhängig sind.
Umgekehrt könnte ein Elternteil, dass sich durch das eigene Kind im Selbstwert bedroht fühlt abwertend auftreten. Die Betroffenen von NPS können ständig Aufmerksamkeit und Bewunderung fordern, diese aber anderen nicht zukommen lassen. Sie wollen stets im Mittelpunkt stehen und das Scheinwerferlicht nicht teilen.
Spezifischen, dysfunktionale Verhaltensweisen, die langfristig schädlich für die emotionale Gesundheit eines Kindes sind:
– Emotionale Manipulation: Narzisstische Eltern setzen Kinder oft ein, um den anderen Elternteil zu manipulieren oder die Kontrolle über die familiäre Situation zu behalten.
– Gaslighting: Ein narzisstischer Elternteil kann versuchen, das Kind dazu zu bringen, die Realität in Frage zu stellen oder ihre Wahrnehmung von Ereignissen zu verzerren.
– Triangulation: Dies beinhaltet, dass das Kind als “Vermittler” oder als Werkzeug im Streit zwischen den Eltern benutzt wird, was zu Loyalitätskonflikten führen kann.
Strategien für das Co-Parenting mit einem Narzisstischen Elternteil
Für Eltern, die sich in Sorgerechtsstreitigkeiten mit einem narzisstischen Ex-Partner befinden, kann die Zusammenarbeit schwierig sein. Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen und Kommunikationskanäle so strukturiert wie möglich zu halten. Hierfür sei auch insbesondere auf die Grey Rock Methode hingewiesen, in der empfohlen wird möglichst nur das nötigste, sachlich und emotionslos zu kommunizieren.
Darüber hinaus ist es in manchen Fällen ratsam, Beweise für emotional schädigendes Verhalten zu dokumentieren und sich diesbezüglich beraten zu lassen. Zum Beispiel bieten wir Analysen auf Manipulation des Kindeswillens und psychologische Beratung, um sicherzustellen, dass das Wohlergehen des Kindes gewahrt bleibt.
Die Sichtweise des Kindes: Langfristige Auswirkungen
Kinder, die mit einem narzisstischen Elternteil aufwachsen, sind hohem chronischen Stress ausgesetzt, um die Verhaltensweisen des Elternteils zu kompensieren. Je nach Rahmenbedingungen können die Kinder dies mehr oder weniger gut bewältigen. Schon ein Mangel einer sicheren, gesunden Bindung hat langfristige Konsequenzen für die Entwicklung eines Kindes. Dementsprechend erleben Kinder, die mit einem Elternteil mit NPS aufwachsen eine Vielzahl von Herausforderungen. Häufig entwickeln sie ein niedriges Selbstwertgefühl, Unsicherheiten und Schwierigkeiten, gesunde emotionale Grenzen in späteren Beziehungen zu setzen. Typisch sind verzerrte Körperbilder, ein übermäßiger Alkoholkonsum oder Drogenkonsum.
Wichtig ist, dass Eltern, die mit einem narzisstischen Ex-Partner zusammenarbeiten, ihren Kindern beibringen, wie sie Grenzen setzen und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können.
Können Narzisstische Eltern durch Therapie bessere Eltern werden?
Obwohl NPS als schwierig zu behandeln gilt, ist Veränderung möglich, wenn sie sich ihrer eigenen Defizite bewusst werden und motiviert sind, daran zu arbeiten. Verschiedene therapeutische Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) können helfen, bestimmte Verhaltensmuster zu erkennen und zu ändern.
Allerdings muss man realistisch bleiben: Therapie erfordert intrinsische Motivation zur Veränderung, und narzisstische Persönlichkeiten zeigen oft nur wenig Einsicht in ihr eigenes Verhalten. Dennoch kann Therapie zumindest dazu beitragen, schädliche Muster zu reduzieren, was im besten Interesse des Kindes ist.
Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt
Bei allen Überlegungen zu Eltern mit NPS muss das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen. Es ist wichtig zu erkennen, dass NPS eine Herausforderung für das Elternsein darstellt, aber nicht jeder Mensch mit narzisstischen Zügen ist automatisch ein schlechter Elternteil. In schwierigen Situationen, wie Scheidungen und Sorgerechtsstreitigkeiten, müssen sowohl das familiäre Umfeld als auch das Gericht die individuellen Umstände berücksichtigen, die Bindung zwischen Elternteil und Kind betrachten, und auch gründlich auf Manipulation prüfen, um sicher zu stellen, dass das Kind emotional geschützt wird.
Für Eltern, die mit einem narzisstischen Ex-Partner zu tun haben, ist es entscheidend, dass sie sich auf Strategien konzentrieren, die dem Kind helfen, gesund und resilient aufzuwachsen. Therapie und Unterstützungssysteme können dabei eine wichtige Rolle spielen, um langfristig das emotionale Wohl des Kindes zu sichern.